Ich hoffe, ihr verzeiht

Das meiste, dass ich euch erzähle, ist gelogen. Nie erreichte ich Grönland an einem Dienstag und saß zwei Stunden später an einem Feuer, das wärmte wie keines davor. Auch ist der Boden in der Wohnung in der ich gerade sitze nicht weiß und in keiner seiner Ecken ist eine geheime Nachricht versteckt, die ich schrieb, da habt ihr bereits alle geschlafen. Die Teekanne ist nicht immer voll mit Minztee. Kein Pferd gibt es, dessen Wiehern so klingt, als würde es bis fünf zählen. Mein erster Albtraum handelte nicht von Brei, mein letzter nicht von Riesenschlümpfen. Ich erinnere mich an keine Fahrt mit einem Feuerwehrauto bis weit hinein in den Sonnenuntergang und der Schaffner letztens in der Bahn, er hatte keine einzige Rose dabei und schenkte nicht nur deswegen keine an meine Sitznachbarin, die also Folge dessen auch nicht aufstand und ihn auf die Wange küsste, keine dreimal. Ich lernte nicht zuerst schnipsen mit der linken Hand, ich wandelte nie im Schlaf bis ans Ende der Hauptstraße. Als mich einmal ein russischer Mann an einer roten Ampel ansprach, waren die drei russischen Worte die ich spreche in Wirklichkeit nicht von Nutzen. Meine Katze freundete sich nicht mit dem Kuckucksküken an, dass an einem Sommertag vor ihre Füße fiel. Nie unterschrieb ich mit falschen Namen auf einem Gips. Ich erinnere mich nicht an die letzte Sternschnuppe die ich sah. Ich wünschte mir bestimmt nichts, dass mit dem Meer zu tun hatte. Die alten Menschen gegenüber küssen sich abends nicht am offenen Fenster. Auch entdeckte ich keinen Silberschatz. Kein Junge aus Tschechien fand meinen an einen Luftballon befestigten Brief und wir trafen uns nicht inmitten eines Maisfeldes. Brombeeren lösen keine allergische Reaktion bei all meinen Familienmitgliedern aus, auch nicht bei einzelnen. Und gestern aß ich keine Kugel Pistazieneis. Auch nicht zwei.

Ich hoffe, ihr verzeiht.

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