Ich habe Dinge gesagt

Am Samstag da stand man auf diesem Platz vor dieser Kirche, in der im Mai mal jemand heiratete und man mit dem Telefon das 10 minütige Glockengeläute aufnahm und die Glocken läuteten auch dieses Mal, aber nicht in dem Moment, als man da stand und mit den Menschen um sich herum immer und immer wieder „Mein Herz schlägt mich innerlich tot“ sang. Die Glocken taten dies zuvor, als man noch am Brunnen saß, zu dem manche Teich und manche Wasserbassin sagen, neben A. saß man da und wartete auf eine andere Person, deren Name auch mit A beginnt und man saß da und man redete so über das Wetter und über die Tage die immer weiter durchs Land ziehen und jemand brachte Cola und dann noch jemand und es war fast schon soviel Ende Juli wie es das heute tatsächlich ist und als man dann eben später nicht mehr saß sondern stand, da hatte man eine Gabel in der Hand, weil nämlich mittlerweile auch C. und K. da waren und C. ein Riesenstück Ribiselkuchen mitgebracht hatte und man dieses aus einem Plastikbehälter aß und mindestens so glücklich war, wie die Hühner, die die Eier dazu geliefert hatten.

Eine Unwetterwarnung stand im Raum, aber nicht deswegen setzte man sich noch vor Beginn des nächsten Konzertes auf das Fahrrad und fuhr durch den Wind diese knappen zehn Minuten nachhause, die man so oft gefahren und gegangen war in den letzten Tagen und Wochen. Man ignorierte dabei eine rote Ampel und überholte zwei andere Fahrradfahrer, man fuhr eine Straße entlang, die man vor langer Zeit einmal gegangen war, damals war Winter und man wusste noch nicht, man wusste von so vielem noch nicht.
Zuhause trank man ein Glas Wasser und setzte sich an den Esstisch und wartete auf das Klingeln des Telefons. Draussen zog ein Gewitter vorbei und man dachte, es wäre irgendwie schön, wenn der erste Donner gleichzeitig mit dem Anruf passieren würde, aber das tat er dann nicht, weil der Donner nicht passierte, der Anruf aber schon und man sprach dann mit einem Mann in einem Studio in einer Stadt in der man zweimal gewohnt hatte, über eben diese Stadt und über den richtigen Artikel des Wortes Blog und über alte Fotos und über A. die da zu der Zeit auch nicht mehr auf diesem Platz war sondern auf dem Weg nachhause, wo es hieß später Gin Tonic zu trinken und über Hasen gebärende Frauen zu sprechen und über einarmige Männer und über Tischler in Kalifornien und all die anderen Wichtigkeiten. Aber diesem Umstand war man sich in den Minuten noch gar nicht bewusst, als man das Telefon in der Hand hielt und eben mit dieser Person in eben dieser anderen Stadt in der die Person gerade in einem Radiostudio saß über eben diese Seite auf der ihr gerade alle seid sprach und vielleicht ein paar Mal zu oft lachte und das „r“ rollen ließ, und den Akzent wechselte, einfach so.

All das ist jetzt schon wieder vier Tage her und in der Zwischenzeit war man nochmals auf diesem Platz und sah A. noch zweimal und trank zuviel Kaffee und wachte dann morgens um fünf auf und schlief erst um sieben wieder ein und träumte vom Fallschirm springen und vom Rollschuh fahren und davon, wie jemand einen mit einem Namen rief, der einem gar nicht gehörte, aber den man trotzdem behielt.
Man aß Curry zu Mittag an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, man nahm das Telefon stündlich ab, man hörte laut Musik, sobald man alleine im Büro war. Abends fing man damit an, Kleidung auszusortieren und kaufte dem freundlichsten Augustinverkäufer im Vorraum des Supermarktese ein weiteres Mal keine Zeitung ab.
Die Nachbarn stritten, als man ins Bett ging und morgens lief ihre Waschmaschine, als man das Haus verließ. Man hat sie immer noch nicht zu Gesicht bekommen, man hofft ein wenig, das wird immer so bleiben. Man erzählte den Menschen von dem Telefonat am Samstag, das manche auch ein Interview nennen würden, man freute sich, hörten sie es an. Man freut sich immer noch, wenn Menschen das tun. So wie man sich darüber freut, dass das hier jemand liest. Bis zu diesem Wort und bis zu diesem auch. Vielleicht ja sogar bis diesem.

Das hier was jetzt folgt, ist allerdings kein Wort mehr, das hier ist ein Link. Man kann da bis Minute 47:30 vorspulen und dem Gespräch zuhören, von dem ich zuvor berichtete. Man darf mir auch tatsächlich Fotos schicken. Man darf sich sicher sein: Ich wäre froh.

http://trackback.fritz.de/2012/07/28/trb-289-playpublik-droplings-blogs-rechtsrock-statthandfuss/

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