Vielleicht Irland und Atlantik

Im Winter erinnerte mich die Schulter des Mannes an etwas das Bestand haben könnte. Vielleicht auch an etwas Rettendes. An etwas wie einen Leuchtturm samt Leuchtturmwärter, an einer stürmisches Küste. Vielleicht Irland und Atlantik. Vielleicht Neuseeland und Pazifik. Jedenfalls legte ich meine Stirn an sie und schlief tief und fest und morgens war einfach so ein neuer Tag und der Mann stand vor mir auf und auf dem Weg zur Arbeit begegnete er keiner Frau die auch nur im Ansatz so schön war wie ich.

Im Frühjahr dann war das schon nicht mehr ganz wahr. Da war es glaube ich nur noch ein Leuchtturm in der Nordsee oder im Indik und das ist wahrlich ein schiefes Bild. Niemand denkt an den Indischen Ozean, wenn er an Leuchttürme denkt und auch ich tat das nicht und vielleicht fingen damit die Probleme an die sich auch im Sommer nicht verflüchtigten sondern über die längst gekrümmten Rücken wuchsen und nachts dann zwischen einem schliefen, einen kurz kniffen im Tiefschlaf und morgens so taten, als wären sie an gar nichts Schuld. Als hätten sie eine Berechtigung da zu sein, als würden sie zu einem gehören und man zu ihnen. Und man glaubte ihnen so einfach, so einfach und viel zu lange.

Dann irgendwann Herbst, ohne Schultern, vielleicht noch mit dem Glauben an Leuchttürme, aber ein wenig verschwommen. Jedenfalls ohne Schultern oder zumindest ohne konstante. Auch egal. Der Herbst war gut, dennoch oder deswegen und manchmal saß man in der U-Bahn und sah aus dem Fenster vor dem immer alles richtig erschien und stieg trotzdem nicht aus. Man tanzte durch Nächte, man lag betrunken auf Ringelspielen, man blickte sich selten um.

Ich würde mein gesamtes Jahr gerne in Vergleichen erzählen, in denen lateinische Wörter und immer mindestens ein Körperteil vorkommt. Aber das wäre ziemlich albern, nicht nur, weil das Jahr noch nicht vorbei ist. So bleiben mir momentan nur diese Zeilen über Schultern und Ozeane an denen man schon viel zu lange nicht mehr war. In den letzten Wochen saß manchmal eine Person neben mir, an die gelehnt mein Kopf zur Ruhe kam und als diese das ein oder andre Wort in der richtigen Art und Weise betonte, da glaubte ich, dass wir von der gleichen Sehnsucht sprechen, wenn wir es versuchen würden. Ich muss ganz ehrlich sagen: in diesem Winter, in dem man die Schneemänner den Kanal hinunterrinnen sieht noch ehe sie geboren wurden, – in diesem Winter da reicht das aus um sich zu wundern, über die Liebe und das was dazu führen könnte.

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