Karin

Manchmal wünsche ich mir, dass die nächste Frau in die du dich verliebst den Namen Karin trägt. Karin hätte blonde Haare, sie wäre größer als ich, größer und fröhlicher, ihre Händedruck wäre fest und ihre Augen braun. Karin und du, ihr hättet euch durch einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt, erst hättet ihr euch öfters zum Kaffeetrinken getroffen, dann Kino, dann wären eure Knie öfters aneinandergelehnt, auf dem grünen Sofa auf irgendeiner Party und als Karin dich das erste Mal küsste, da wäre es knapp Mittag vorbei und du hättest zuvor Kartoffelsuppe gegessen und Karin hätte sich danach lachend mit der Hand über den Mund gewischt, als wäre sie es gewesen mit der Suppe und den Kartoffeln.

Karin wäre stabil. Stabilität wäre einer der großen Vorzüge Karins. Sie hätte einen 38Stunden-Job, sie hätte eine Stammkneipe, vielleicht hätte Karin sogar ein Auto, das selbe seit zehn Jahren und wenn Karin vor deinem Haus parken würde, könntest du ihr zusehen und Karin wüsste, dass du das tust und würde kurz hupen bevor sie das Auto verlässt, zu dir hochblickt und sagt: Das Hupen, das war nur für dich.

Karins Lieblingsgetränk wäre kalter grüner Tee, Karins Lieblingsfarbe wäre rot, Karins Lieblingspferde wären Haflinger (aber nur wegen des Namens). Karin wäre gerne Künstlerin geworden, so große Fotos mit viel Fläche und Details nur am Rand, aber das wollten Karins Eltern nicht und sie würde lachen, wenn sie dir davon erzählt, sie würde glockenhell lachen und dann sagen: Aber jetzt ist das in Ordnung, der Künstler bist ja du.

Ja, so wäre sie, die Karin. Sie würde dir Platz lassen, sie würde deine Arbeiten vergöttern und wenn du nachts aufwachst, weil du dich wieder einmal für den schlechtesten Fotografen der Welt halten würdest, dann würde Karin deine Hand drücken, sie würde „Nein, nein“ murmeln und alles wäre seltsam gut. Morgens würde Karin vor dir aufstehen, sie würde dir Kaffee kochen, sie würde dir zuhören und deine schlechte Morgenlaune gekonnt ignorieren, dann schnell zur Arbeit fahren und dich genau so lange nicht anrufen, bist du anfängst sie zu vermissen.

Wärst du in Karin verliebt, wärst du ein besserer Mensch und schon alleine deswegen würde ich Karin sehr mögen und auch aus dem Grund, weil sie mir nicht ähnlich wäre. Karin und ich würden uns umarmen, wenn wir uns das erste Mal treffen würden und dich würde das nervös machen und wir würden es merken und uns verstohlen anlächeln. Karin würde mir ihre Telefonnummer geben und wir würden uns dann doch nicht anrufen.

Du würdest Karin verlassen, sobald der Sommer vorbei ist. Du würdest mich anrufen und ich würde sagen: Das ist schade, wirklich schade. Ich würde das auch so meinen und Karin würde irgendwann mal an der Supermarktkasse vor mir stehen, sie hätte einen grünen Pullover an, ihr Haar wäre schulterlang geschnitten, ich würde ihren Rücken studieren, während sie Brokkoli, Knäckebrot und eine Tafel RitterSport bezahlt. Kurz würde ich überlegen, dich anzurufen und dir davon zu erzählen, und dann auf mein Telefon blicken und wissen: deine Nummer ist längst nicht mehr die gleiche.

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