Vielleicht im Dunkeln

Ich weiß, wie all das funktioniert. Ich ziehe mein grünes Kleid an und trinke den Kaffee mit wenig Milch. Ich nicke bei den richtigen Wörtern und füttere später den Fuchs im Hinterhof. Rohes Fleisch isst er am liebsten, auch das habe ich nicht vergessen. Zwei Minuten zu lange werde ich ihm dabei zusehen, dann aufblicken und zurück in das Haus gehen. Mein Kleid über die Schultern gleiten lassen und schlafen, als wäre nichts geschehen. Draussen ist Krieg, die Tassen klappern in den Glasschränken, die Autos ertrinken in den Schlaglöchern. In meinem Kopf wachsen die Fabriken, sie tackern nachts, wenn ich wieder munter werde, sie rasseln und stampfen die Plaketten flach.

Aus meinem Mund kommt nur Schall, wellenförmig und viel zu leise. Ich habe vergessen meine Strümpfe auszuziehen, sie haben Kaffeeflecken davon getragen, mein Bauch ist rund vor lauter Milch. Milch, die ich trank, in jenem grünen Kleid, an jenem Tisch, mit Freunden und freundlichen Fremden. Auf dem Boden standen fest meine Füße, zu einer geometrischen Form verwachsen, die nie jemand sieht, außer mir.

Küss mich hier und hier und hier und hier und hier, hier nicht und hier, ja hier, vielleicht.

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you are my very special one

and i listen to this song and I remember sitting in a yellow VW-Van and driving through Czech republic back to Vienna and I remember calling you to tell you that I will be at your house in about twenty minutes and I remember walking by the Naschmarkt and ringing your door bell and I remember saying „I guess I am back“ when I really meant it that way and we were walking up the stairs and we were kissing and it didnt feel strange and that was what made it strange and i remember being ready to leave again for days maybe weeks I was ready to do that but I didnt. I just stayed and I remember how the days went by and you waiting for me after work and us looking for squirrels and the first ice cream of the year and all the fresh made orangejuice in the morning and all the not empty coffee cups and trying to solve crosswords in a language I barely speak. And I listen to this song and I remember my mountain and your sea and the ship outside your window and us and the boars and us and the coffeehouses and us and the day we finally went iceskating.

And I remember sitting next to you and watching you how you tried to make a hole into your newly bought belt and I remember to look at you and you looking back at me for some seconds and I remember:

Happiness was all I felt.

what happens (I)

1. When I first exited New York’s subway a couple came downstairs. She shouted: I hate you. and started to run away. The guy tried to catch her. He shouted while chasing after her: Yes, but how much do you hate me. How much?

2. Als ich 18 war erfand ich das schönste Gedicht vor dem Schlafen gehen. Ich lag in meinem Bett und dachte: Es ist so wunderschön, es sind die besten Reime, morgen schreibe ich es auf. Am Morgen war dieses Gefühl des Wunderschönen immer noch da, aber das Gedicht war weg. Ich kann mich bis heute nicht mehr daran erinnern. Jedesmal bei meinen Eltern muss ich daran denken.

3. Auch denke ich noch oft an das Filmmuseum in Torino. Ich möchte nocheinmal dorthin zurückkehren und nocheinmal durch die Laterna Magica schauen. Ich möchte all diese Filme noch einmal sehen und noch einmal eine Hand halten, wenn ich versuche an der Innenseite des Turmes so hoch wie möglich zu hinaufzugehen.

4. Einmal lag ich mit Daniel in einem Park in Berlin und er erzählte mir, dass er immer dachte, dass Kondensstreifen das gleiche wie Sternschnuppen sind, nur eben am Tag. Seit damals stelle ihn mir als ein wunschlos glückliches Kind vor.

5. Hemingway hat immer nur im Stehen geschrieben.

6. Once Asher’s younger brother fell out of his bunk bed. He lost two babyteeth and his lip was bleeding so strong that his mother took him to the hospital. They sewed his lip and said everything will be alright. His second teeth grew but his lip stayed big. After half a year he was back in hospital and they discovered that one of his babyteeth was the reason for the swollen lip as they had sewed it in.

7. The best english word is seesaw.

8. Auf der Überdachung der U4 Station Kettenbrückengasse sitzt ein Rabe. Als die U-Bahn losfährt, beginnt er zu laufen, als wäre all das ein Märchen mit einem Hasen und einem Igel. Vielleicht ist es das auch, denn als ich zwei Stationen später aussteige sitzt er auf einem Brückenpfeiler und tut, als wäre nichts gewesen.

9.

Der Stationenansager

Nie klingt der Stationenansager der Wiener Linien trauriger als bei der Station „Hernalser Guertel“. Und ich frage mich, warum dem so ist, ob dies der Ort ist, an dem ihn seine erste grosse Liebe verlassen hat, ob dies der Ort ist, an dem er einen Anruf bekam und wusste, danach wird vieles nicht mehr gut, ob dies der Ort war, an dem er endgueltig einsah, dass Schokoladeneis ihm Bauchschmerzen bereitete und er die letzte Kugel versuchte so langsam wie moeglich zu essen, ob es hier war, als er vor vielen Jahren den schoensten Tag seines Lebens verbrachte und ploetzlich feststellte, dass auch dieser vorbeigeht oder ob dies der Ort war, an dem eine Frau vor ihm ueber die Strasse ging und der Wind durch ihr Haar fuhr und der Stationenansager fuer einen kurzen Moment von einer Sehnsucht ergriffen wurde, fuer die er niemals einen Namen fand.

Wie das wohl waere, wenn der Stationenansager an manchen Haltestellen lachen wuerde, seine Stimme bei anderen weich werden wuerde und nur eine weiter aengstlicher und tief. Wie das wohl waere, wenn man ein jedes Mal bevor die Station Herrengasse kommt, den Stationenansager seufzen hoeren wuerde und knapp vor dem Schottenring ein kurzes Raeuspern erklingt, als haette er sich gerade an etwas erinnert von dem er nicht will, dass es jemand bemerkt.

Ich stelle mir einen grossen Plan mit all den Stationen an der Wohnzimmerwand des Stationenansagers vor, so wie im Zimmer des Kindes, das vor ueber zehn Jahren Thomas Gottschalk damit beeindruckte, dass es eine jede Haltestelle Berlins auswendig wusste. Der Stationenansager sitzt davor und steckt Nadeln in den Plan, an den Nadeln haengen kleine Zettel und auf den Zetteln steht nur ein Wort. Manchmal ist es ein Name, manchmal ein Tag, manchmal ein Gefuehl und selten, aber doch steht dort nur ein Buchstabe mit einem Punkt dahinter oder einem Rufzeichen. Ein einziges Mal ist es ein Fragezeichen und der Stationenansager aergert sich darueber, aber kann es auch nicht aendern.

Oeffnet er die Fenster so tanzen die Zettel im Wind und manchmal verheddern sie sich und manchmal fallen sie zu Boden und der Stationenansager hebt sie dann langsam wieder auf und haengt sie zurueck an den Plan, zu dem sich ihm nie jemand fragen traut, kommt Besuch vorbei und der spaeter einmal im Wien Museum haengen sollte, waere auf dieser Welt ein wenig mehr so, wie es sein sollte. Der Stationansager ist alt geworden, schon lange ist er das und wenn er selber in einer Strassenbahn oder einer Ubahn oder in einem Bus sitzt und sich selber dabei zuhoert, wie er sich erzaehlt, wo er als naechstes sein wird, so schliesst er immer die Augen und es erscheint ihm so, als wuerde die ganze Stadt ihm gehoeren. Das macht ihn wirklich froh.