Ich möchte, dass du weißt

Ich möchte, dass du weißt, dass ich davon überzeugt bin, dass das Meer damals wirklich geschlafen hat, als wir davor saßen und ich deine Hand suchte, die dann kälter war, als ich gedacht hätte und deine Augen die Farbe des gestrigen Tages hatten, der immer noch auf unseren Schultern lastete und unsere Rücken krümmte.

Das Meer hat damals geschlafen, ganz still war es und mit ihm schliefen alle Fische und alle Korallen, die in ihm wohnten. Sie träumten von der Freiheit, die sie nicht kannten und auch die Wellen schliefen, die Ebbe und die Flut, ein jedes Salzkorn und vor allem auch die Schiffe, die zu diesem Zeitpunkt aufgehört hatten irgendein Ziel anzusteuern, sondern nur noch sacht auf und ab wippten und den Menschen, die in ihren Bäuchen lagen eine Geborgenheit versprachen, die diese selig machte.

Und ich möchte auch, dass du weißt, dass ich damals auch gerne geschlafen hätte. Neben dir an diesem Meer und ich hätte deine Hand auch mit geschlossenen Augen gefunden und ich hätte meinen Mund an deine Schulter gelegt und ich hätte meine Beine ganz ausgestreckt und sogar die Füße und die Zehen. Du hättest nach Melonen gerochen und ich hätte es dir nicht gesagt, weil ich in den vierundzwanzig Sekunden die du vor mir eingeschlafen wärest, beschlossen hätte, dir nie wieder etwas zu sagen, dass du vergessen könntest, dass irgendwann zwischen uns stehen könnte, dass uns in der Erinnerung von einander entfernen würde. Fünfeinhalb Stunden hätten wir geschlafen und das Meer wäre danach immer noch stumm gewesen und am Horizont wäre die Sonne ein wenig zu sehen gewesen, diese Sonne, von der ich einmal sagte, sie würde in deiner Stimme wohnen, weil ich wusste, das macht dich froh.

Aber noch Tage später griff ich damals in deine Leere, die statt dir neben mir Platz genommen hatte und noch wochenlang war die Luft kalt, dort, wo einmal dein Mund gewesen war. Staunend über deine Abwesenheit trank ich vier Tassen Tee an jedem Morgen, ich trank eine jede mit sieben Schlücken aus, so wie du es mir einmal gezeigt hattest und vor der Tür regnete es deinen Namen seit Stunden, ohne dass ich es bemerkte. All diese Felsen sind aus Kreide, hast du staunend am ersten Tag gesagt und dass man damit mehr Bücher als möglich schreiben könnte und zusätzlich noch einen Brief an mich, der klingen würde, wie ein Lied in f-dur.Und ich nahm ein Stück Kreide, das auch ein Felsen war und schrieb damit nichts als die Wahrheit auf den Boden in der Küche, in der wir standen und vor deren Fenster die Möwen kreischten, als hätten sie die größte Angst.

Und ich möchte, dass du weißt, dass, als das Meer wieder erwachte und ich dich immer noch nicht gebeten hatte zu gehen, und du es aber trotzdem machtest, ich über einen Nagel stolperte und dieser Nagel eine kleine Narbe in Form eines Jots hinterließ und dass ich immer noch weiß, dass dies dein Lieblingsbuchstabe ist (wegen des Märchens und der Königskinder und wegen deiner Lieblingsantwort, die nur aus zwei Buchstaben bestand) und dass ich mir manchmal denke: Vielleicht ist das ja auch genug.

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