Einmal war L. verreist (IV)

Einmal war L. für zwei Wochen verreist. Er war ans Meer gefahren und hatte dort seinem Onkel beim Fischen geholfen. So stellte ich mir das zumindest vor. In Wirklichkeit war L. mit drei Freunden weggefahren, hinunter nach Spanien und vielleicht auch nach Portugal. L. hatte mich unzählige Mal geküsst, als wir uns das letzte Mal davor getroffen hatten. Er hatte gesagt, dass er mich einpacken möchte, dass er jeden Tag für eine Stunde zurückkommen möchte, dass er will, dass ich ihn jeden Tag anrufe. Ich hatte gelacht. L. hat mir damals vier Postkarten geschrieben, auf zweien stand nichts außer meinem Namen. Da habe ich wieder gelacht und sie auf das Fensterbrett gestellt. Einmal abends hat L. mich gefragt, wo ich gerade bin und ich habe gesagt, da hinter dem Haus, das da am Horizont am Hügel steht. Und L. hat gesagt: Ja, fast kann ich dich sehen. Und L. und ich haben dann gleichzeitig geseufzt.

Irgendwann fiel die Karte vom Fensterbrett und irgendwann war es mir zu mühselig sie dort wieder hinzustellen. Da war L. schon längst wieder da und hatte eine eigene Schublade in meiner Kommode, eine eigene grüne Zahnbürste im Bad und seine Laufschuhe standen seit Monaten neben den meinen. Morgens wachte er meist vor mir auf und ich küsste seinen Rücken, während er Kaffee kochte. Dabei stand ich aus nicht erklärbaren Gründen auf den Zehenspitzen und umarmte ihn danach solange, bis der Kaffee kochte und ich wusste, ohne es ein einziges Mal überprüft zu haben, dass L. die ganze Zeit lächelte.

L. lächelt auch jetzt. Das kann ich durch das Telefon hören. Er hat sich ein neues Fahrrad gekauft und er möchte, dass ich sofort meine Sachen packe und wir bis zum Stadtrand fahren. „Komm schon“, sagt er, „das tut uns gut. Dort trinken wir dann einen Radler und abends kannst du bestimmt tief und fest schlafen.“ Ich wiege meinen Kopf, ich gehe zum Fenster und wieder zurück. „Ich möchte nicht“, sage ich, „ich brauche ein wenig Ruhe.“ L. seufzt und sagt dann „na gut“. Er tut dies in einer Art und Weise, wie nur er es kann und ich entschuldige mich und meine es auch so.

Ich trinke danach einen Kaffee, ich telefoniere mit O., ich drehe mir eine Zigarette, ich benutze das Wort ‚vielleicht‘ zu oft, ich starre in die Nachbarswohnung, ich beschließe, erst morgen Wäsche zu waschen, ich fahre mit dem Finger die Wand entlang, ich kämme meine Haare, ich lege mich auf die Couch, ich lese ein Buch, ich lege es wieder weg, ich lackiere meine Zehennägel, ich schlafe tatsächlich kurz ein, ich schrecke hoch, weil L. vor mir steht, ich frage: Was machst du denn hier?

L. streicht über meinen Kopf, er zuckt mit den Schultern. „Mir war danach“ sagt er. Und ich schließe meine Augen nochmals. Als ich sie wieder öffne, sitzt L. noch immer am gleichen Fleck. Ich blicke ihn an und strecke meine Hand nach der seinen aus. L. küsst meinen Handrücken und sieht dabei unentwegt über mich hinweg. Er erzählt mir, dass es er nur halb so weit gefahren ist, wie er vorhatte, dass er anfangs Probleme mit der Gangschaltung hatte und dass er sich dann dachte, es ist auch egal und vielleicht könnten wir einen Film ausborgen, so was lustiges, vielleicht mit John Cusack, aber eigentlich ist er jetzt auch müde und er würde sich auch kurz hinlegen wollen, wenn es mich nicht störe. Wir könnten ja danach immer noch einen Film schauen, ich dürfe mir auch aussuchen welchen, wenn ich möchte. Aber lustig müsse er schon sein und ein gutes Ende haben und man müsse den Film auch verstehen, selbst wenn man mal den Raum verlässt.

Ich nicke. Ich sage: „Das klingt doch nach einem guten Plan“ und rutsche ein wenig zur Seite, damit L. sich neben mich legen kann. Er tut dies mit dem Rücken zu mir und ich beginne seinen Hinterkopf anzustarren, ohne etwas zu sagen. Bald schon wird L.s Atem gleichmaessiger und ich wundere mich, wie schnell er immer einschlafen kann. Ich greife nach dem Buch, das auf der Armlehne des Sofas liegt, ich versuche mich auf die Saetze zu konzentrieren, aber es klappt nicht. Stattdessen ist L.s Atem überall und all meine Gedanken nehmen die Laenge seiner Atemzüge an und es denkt sich einfach nicht gut in Zweisekundensaetzen. Ich beschliesse aufzustehen, steige ueber L. hinweg und erschrecke beinahe zu Tode, als ich merke, dass er die ganze Zeit hellwach ist. L. starrt mich an, wie ich mit einem Bein bereits auf dem Wohnzimmerboden stehe und das andere noch abgewinkelt auf dem Sofa platziert habe, ich halte inne und lege meinen Kopf an meine linke Schulter. Ich frage: „Was siehst du mich denn so an?“ Und L. schüttelt kurz den Kopf und meint, er findet die Woerter gerade nicht, aber in dem Licht haetten meine Haare die Farbe der Jahreszeit vor dem Fenster. Und ich lache kurz auf und frage, ob das heissen soll, dass sie grün aussehen und L. schüttelt immer noch den Kopf und sagt kein Wort. Ich lege meine Hand auf seinen Oberarm und drücke mich weg von ihm, verliere beinahe das Gleichgewicht und gehe schliesslich die drei Schritte zu den Zimmerpflanzen im Regal und beginne die braun gewordenen Blaetter auszureissen, weil mir nichts einfaellt, was ich stattdessen tun koennte.

Ich spüre L.s Blick im Nacken, ich versuche ein Lied zu summen, aber es mag mir keine Melodie einfallen, ich sage: „Wie schoen du immer atmest, L. Als haettest du es gelernt.“ Und L. sagt immer noch nichts und ich drehe mich immer noch nicht um, sondern zupfe weiter an den Pflanzen herum, die mir das sicher bald schon übel nehmen. Ich frage mich, ob sie den Sommer überleben werden und den Herbst und vielleicht sogar den Winter. Das waere laenger, als es jemals irgendeine Pflanze in meiner Obhut geschafft hat und es waere schoen, wenn es diesmal klappen würde, wenn diese Pflanzen vielleicht sogar beim naechsten Umzug noch ein wenig grün in ihren Blaettern haetten. Ich überlege mir, dass ich mir eigentlich endlich eine schoene Giesskanne kaufen sollte, vielleicht aus Metall, mit einem langen Hals und einem runden Giesskopf. Dann drehe ich mich zu L. um und lege meinen Kopf schief. So sitze ich und so liegt er für die kommenden Minuten, draussen geht ein Tag zu Ende, an den ich mich jetzt schon nicht erinnern moechte und die Dunkelheit braucht viel zu lange um aus unseren Koepfen zu entweichen und sich im Raum breitzumachen. Meine Beine schlafen langsam ein, aber ich veraendere meine Sitzposition nicht, über uns geht jemand zum vierten Mal im Raum auf und ab und ich stelle mir vor, dass die Person dunkle Haare hat und Socken traegt die nicht zusammengehoeren und heute Gemüse mit Reis gegessen hat, Zucchini, Paprika und vielleicht auch Tomaten, davon aber nicht zuviel.

„Es ist mir bewusst, dass etwas nicht stimmt,“ sagt L. dann ploetzlich doch und ich starre an die Wand und beiße mir auf die Innenseite meiner Unterlippe bis ich mir sicher bin es dauert nur noch drei Sekunden bis sie blutet.

Jetzt is L. weg (V)

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Von der Liebe zwischen den Gemälden

Ich war noch nie in einem Museum, ohne mich zu verlieben. Ich denke, Museen sind der einfachste Ort um das zu tun. Wie kann es auch anders sein? Wie kann man sich nicht in die Person verlieben, die plötzlich neben einem steht und die gleiche Schönheit, die gleiche Seltsamkeit, die gleiche Entrücktheit sieht, wie man selbst? Wie kann man durch ein Museum gehen und sich nicht wünschen, dass all die Menschen, gerade das gleiche Bedürfnis haben so zu seufzen, wie man selbst. Und da fängt das mit der Verliebtheit auch schon an: bei dem Wunsch nach etwas Gemeinsamen.

Einmal stand ich im Moma vor einem Bild von Max Ernst, das neben einem von Dali hängt. Das Bild heißt: „Deux enfants sont menacés par un rossignol“ und ich sah es an, während neben mir ein Mann stand, der auf das Bild von Dali starrte und in den ich mich deswegen nicht verliebte, weil er nicht wahrnahm, was es wahrzunehmen galt. Ich hatte das dringende Bedürfnis ihn auf die Schulter zu tippen und auf das Bild zu zeigen, ich wollte ihm erzählen, von Max Ernst und von Gala, die er halb nackt auf die Tür des Schlafzimmers malte, in welchem sie mit ihrem Mann schlief und der er verfallen war, wie soviele andere und die sich aber für den Mann mit den zerrinnenden Uhren entschied, der sie auch malte, aber so anders und davon, dass ich glaube, dass diese Geschichte in keiner anderen Sprache als französisch passieren hätte können.
Aber der Mann starrte so angestrengt auf das falsche Bild und drehte sich drei Sekunden zu früh weg und so blieb ich alleine zurück, mit den Kindern und der Nachtigall und für ein paar kurze Momente schien es mir, als würde die ganze Sehnsucht und die ganze Einsamkeit, die Max Ernst damals an diese Tür malte aus dem Gemälde in den Raum strömen und sich in der gegenüberliegenden Ecke in Gestalt eines alten Museumsaufsehers manifestieren, der ein Stofftaschentuch in der Hand hielt und sonst gar nichts machte.
Der Mann küsste später eine Frau vor einem Bild, das Soldaten in Mexiko zeigte. Er küsste sie und die Arme der Frau hingen an ihrer Seite hinunter, als wären sie nur zufällig gerade an der Szenerie beteiligt, wie unbeholfene Zaungäste, die lieber gerade auf dem Weg zur Arbeit wären oder aber Menschen, die es gerade nicht mehr geschafft hatten, die Grünphase der Ampel zu erwischen und jetzt dazu verdammt sind, drei Minuten an einem Ort zu stehen, ohne dabei zu wissen, worauf sie ihren Augenmerk legen sollen.
Ich setzte mich auf eine Bank und schrieb in dichtgedrängten Buchstaben auf eine Seite meines Notizbuches: I hope you will never kiss me. Als ich danach aufsah, waren der Mann und die Frau bereits aus dem Raum verschwunden. Ich begegnete ihnen noch einmal auf dem Weg zur Garderobe, sie standen nebeneinander und hielten sich nicht an den Händen. Der Mann räusperte sich ein wenig zu laut und die Frau nahm Anlauf, öffnete ihre Arme und flog durch die offene Tür hinaus in den Innenhof des Museums und hinauf in den Himmel Manhattans, an dem ein Flugzeug hing, um welches jemand mit grüner Farbe einen Kreis gemalt hatte, auf dem die Frau Platz nahm und kurz und laut und ein wenig verzweifelt auflachte.

08032011

Ein neuer Hofer hat an der Wienzeile eröffnet. Auf dem Weg zur Arbeit kommen mir zahlreiche Menschen mit gerade erworbenen Staubsaugern, Tischgrills und Dampfbügeleisen entgegen. Es ist noch nicht mal neun Uhr und ich frage mich, ob jemals die Zeit kommen wird, in der ich eine von ihnen bin. Zwanzig Meter weiter begegne ich dem Mädchen mit den Plateauschuhsohlen, sie trägt wie jeden Tag einen langen Rock und ich würde ihr gerne einen guten Morgen wünschen, ich finde der Zeitpunkt ist gekommen, jetzt da wir uns seit zwei Wochen fast täglich morgens sehen. Aber das Mädchen blickt wie jeden Morgen zu Boden und huscht zwischen den Menschen hindurch. In meiner Vorstellung arbeitet es im bulgarischen Kulturinstitut, in der Buchhaltung und lebt zusammen mit zwei Katzen deren Namen sich nur durch einen Vokal unterscheiden.

Ich bin ruhig geworden seit meiner Rückkehr. Ich lerne die Kontinuität, die Regelmäßigkeit, die Absehbarkeit, für die ich jahrelang nur abfällige Blicke übrig hatte, wieder zu schätzen. Mein Tag gliedert sich in fixe Zeiten, das fängt um 6.30 mit E.s erstem Wecker an und geht über in den 11.15 Anruf bei V. um Mittagessen zu bestellen, um ca. 12.15 kommt dann der Bote und ich weise ihm den Weg in die Küche, wo wir kurz später Krautfleckerl oder Zigeunerschnitzel essen und auffällig oft über ehemalige Finanzminister sprechen. Später dann Kaffee, später die Treppen hinunterlaufen und kurz frieren auf dem Weg zur Ubahn und von der Ubahn in eine Wohnung, in der man noch nicht so ganz angekommen ist, aber sich darüber keine Sorgen macht.

Am Wochenende sitze ich meiner immer kleiner werdenden Großmutter gegenüber, die wütend ist auf die Wunderheilerin, die ihr erklärt hat, dass ihre Krämpfe in den Beinen nur von der Angst kommen, die sie hat. Ich habe keine Angst, sagt die alte Frau, was erlaubt sie sich, soetwas zu behaupten. Und sie sagt auch, das sie dafür nicht zu dieser Frau gefahren ist, sondern weil sie Trost wollte, aber nicht mal mehr Trost bekommt man, dabei ist es doch das einzige was zählt. Am Dienstag schon sitze ich dann selbst einer Frau gegenüber, die irgendwann einen hypokratischen Eid abgelegt hat und frage nach einer Lösung für meine ständig kribbelnden Hände. Die Frau schreibt Abkürzungen auf Zettel und schickt mich zu anderen Adressen, ich packe alles in meine Tasche und fühle mich meiner Großmutter so nahe wie schon lange nicht mehr und möchte dennoch nciht, dass sie das weiß.

Morgen kommst du wieder und ich hoffe, dass dann die Traurigkeit weg ist, die mich heute abend befallen hat. Ich hoffe, dass deine Arme weit und offen sind und ich hoffe, dass neben dir der Schlaf ein wenig leichter als ein schwerer Stein ist. Ich möchte dir von dem alten Mann mit dem langen Bart erzählen, der mir im Bus gegenüber saß und Kopfhörer trug, aus denen Musik der Rolling Stones dröhnte und ich möchte dir von dem kleinen Hirtenhund im Büro erzählen und von dem Abend mit zuviel Rotwein. Sovieles macht soviel mehr Sinn in dieser Stadt, bist du da. Soviel beschützender wirken diese engen Gassen, die ich entlanggehe. Soviele Gedanken sind auch abends noch da und sprudeln aus dem Mund und durch die Arme in die Fingerspitzen, die ich auf deine Schulter lege und hoffe, dass du ein wenig verstehst:

Mir macht das manchmal große Angst.

Ich möchte, dass du weißt

Ich möchte, dass du weißt, dass ich davon überzeugt bin, dass das Meer damals wirklich geschlafen hat, als wir davor saßen und ich deine Hand suchte, die dann kälter war, als ich gedacht hätte und deine Augen die Farbe des gestrigen Tages hatten, der immer noch auf unseren Schultern lastete und unsere Rücken krümmte.

Das Meer hat damals geschlafen, ganz still war es und mit ihm schliefen alle Fische und alle Korallen, die in ihm wohnten. Sie träumten von der Freiheit, die sie nicht kannten und auch die Wellen schliefen, die Ebbe und die Flut, ein jedes Salzkorn und vor allem auch die Schiffe, die zu diesem Zeitpunkt aufgehört hatten irgendein Ziel anzusteuern, sondern nur noch sacht auf und ab wippten und den Menschen, die in ihren Bäuchen lagen eine Geborgenheit versprachen, die diese selig machte.

Und ich möchte auch, dass du weißt, dass ich damals auch gerne geschlafen hätte. Neben dir an diesem Meer und ich hätte deine Hand auch mit geschlossenen Augen gefunden und ich hätte meinen Mund an deine Schulter gelegt und ich hätte meine Beine ganz ausgestreckt und sogar die Füße und die Zehen. Du hättest nach Melonen gerochen und ich hätte es dir nicht gesagt, weil ich in den vierundzwanzig Sekunden die du vor mir eingeschlafen wärest, beschlossen hätte, dir nie wieder etwas zu sagen, dass du vergessen könntest, dass irgendwann zwischen uns stehen könnte, dass uns in der Erinnerung von einander entfernen würde. Fünfeinhalb Stunden hätten wir geschlafen und das Meer wäre danach immer noch stumm gewesen und am Horizont wäre die Sonne ein wenig zu sehen gewesen, diese Sonne, von der ich einmal sagte, sie würde in deiner Stimme wohnen, weil ich wusste, das macht dich froh.

Aber noch Tage später griff ich damals in deine Leere, die statt dir neben mir Platz genommen hatte und noch wochenlang war die Luft kalt, dort, wo einmal dein Mund gewesen war. Staunend über deine Abwesenheit trank ich vier Tassen Tee an jedem Morgen, ich trank eine jede mit sieben Schlücken aus, so wie du es mir einmal gezeigt hattest und vor der Tür regnete es deinen Namen seit Stunden, ohne dass ich es bemerkte. All diese Felsen sind aus Kreide, hast du staunend am ersten Tag gesagt und dass man damit mehr Bücher als möglich schreiben könnte und zusätzlich noch einen Brief an mich, der klingen würde, wie ein Lied in f-dur.Und ich nahm ein Stück Kreide, das auch ein Felsen war und schrieb damit nichts als die Wahrheit auf den Boden in der Küche, in der wir standen und vor deren Fenster die Möwen kreischten, als hätten sie die größte Angst.

Und ich möchte, dass du weißt, dass, als das Meer wieder erwachte und ich dich immer noch nicht gebeten hatte zu gehen, und du es aber trotzdem machtest, ich über einen Nagel stolperte und dieser Nagel eine kleine Narbe in Form eines Jots hinterließ und dass ich immer noch weiß, dass dies dein Lieblingsbuchstabe ist (wegen des Märchens und der Königskinder und wegen deiner Lieblingsantwort, die nur aus zwei Buchstaben bestand) und dass ich mir manchmal denke: Vielleicht ist das ja auch genug.

Geopard

Zwischen Ofen und einer Wand
da lag ich neben dir
Es war Tag geworden vor dem Fenster
und ich fragte dich nicht nach dem
Warum
Du trankst deinen Kaffee langsam,
fast schon mit Bedacht
Du erzähltest von diesen Menschen
die ich nicht kannte
aber deren Namen ich behalten wollte
wie einen kleinen Schatz
Ich habe mir viel vorgestellt in diesen Stunden
und du sollst wissen:
alles war wahr.
So wie du, der am Fenster einen Schatten warf
den du später mitgenommen hast
in eine Wohnung
wo ich einmal auf der Kante eines Sessels saß
und nervös mit den Beinen wippte
ohne zu wissen weshalb.