Was von der Liebe übrig bleibt

 

Seit gestern tut nichts mehr weh. Es klingelte an der Tür und der Postbote überreichte mir ein Paket voller Worte die früher die deinen waren. Ich las ein jedes. Ich faltete sie einzeln in kleine Schiffe, Schiffe die nicht fliegen konnten und langsam aus dem offenen Fenster auf die Straße fielen. Ein Mann ging vorbei, ein Mann ging zurück, ein Mann hob ein Schiff auf, er steckte es in seine Tasche.
Ich hoffe, der Mann tritt bald eine Reise an. Am Flughafen zieht er seinen Mantel aus und das Schiff fällt zu Boden. Die Putzkolonne scheuert die Böden mit Geräten die an etwas zwischen Matchboxautos und Krieg erinnern, das Schiff verschwindet unter ihnen und war nie mehr gesehen.

Morgens ist es kalt in meinem Zimmer und wenn ich in die Augen eines anderen blicke, wohnt darin kein Wasser, sondern Land, eben und weit. Ich sage: Ich hatte immer Angst davor alleine zu sein, jetzt fürchte ich, dass es genau das ist, was ich möchte. Der andere nickt, die Liebe hat eine Narbe in seinen Unterarm gerissen. Ich lege meine Lippen darauf und denke nicht an dich. Schlafe ich, so laufen Wölfe durch den Wald, sie erzählen Geschichten von Tagen, an denen sie glaubten Kinder zu sein und daran scheiterten.

Was von der Liebe übrigbleibt ist etwas anderes.

(Jänner 2010)

4 Gedanken zu “Was von der Liebe übrig bleibt

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