Mein Maler

Mein Maler
lehnte gestern an
einer Mauer
hinter der die sieben Wunder wohnen

Er sagte
Es ist alles genauso wie es ist
er lachte
er bohrte sich den Pinsel
mitten in den Bauch

Früher war er groß
für mich
war ein wandelndes Zölibat
das andere Männer
aussehen ließ wie Kröten
sprechen ließ wie Kinder
und riechen ließ wie der November
des vorletzten Jahres

Früher war er tapfer
an Festtagen und solchen
mit Stunden ohne Ende
er trank den Wein in zwei Schlucken
er brach das Brot entzwei
in seinen Blicken wohnte das Meer
und ich in ihm

Früher war er schlau
wusste schon am Vortag
die Namen der Gäste
die wir stets erwarteten
er sagte Silben einzeln
er dachte in zwei Zeiten
er blickte mich nicht an

Mein Maler ist alt
er schrumpft
Mein Maler weint an Dienstagen
er schreit an den Wochenenden
mein Maler sagt:
Da, hinter dieser Wand
da wohnen sie
die Wunder
die irgendwann mal uns gehörten.

Mein Maler
will dass ich jetzt gehe
er sagt der Abschied und
die Schönheit wären das
was uns noch fehlt
Er kommt dabei zur Tür herein
die einmal ein Versprechen war

(Ich weiß
ich sollte nicken
und ihm die Hände reichen
die längst in meiner Tasche wohnen
und in die ich einmal
seine Liebe  schrieb
ohne zu wissen warum.)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s