Das Problem war

Das Problem war, dass ich gar nicht mehr versucht habe dich zu lieben. Dass du du warst und ich ich und alles worüber wir sprachen, da an diesem Tisch, da in dieser Stadt, da in diesem Sommer genauso geklungen hätte, wärest du nicht du gewesen und ich noch weniger ich.

Ich weiß, wir aßen später Lasagne in der Mensa, ich weiß, wir spielten Badminton im Park. Am Nachmittag lag ich neben dir auf einer karierten Decke und war hellwach. Wie gerne ich auch früher neben dir geschlafen hatte, es erschien mir weit entfernt, es erschien mir wie aus einem anderen Leben.

Alles was wir noch aßen während unserer gemeinsamen Tage, schmeckt in meiner Erinnerung genau gleich. Alle Weingläser die wir leerten trugen nie unsere Lippenabdrücke. Alle Türknöpfe die wir berührten haben sich niemals bewegt. Ich duschte mich, bevor ich wieder in den Zug stieg und konnte dich nicht hören. Ich wusste dich vor deinem Computer, ich wusste, dass du nicht an mich denkst. Ich war nicht traurig.

Ich blickte dich an durch das Zugfenster und während sich der Zug in Bewegung setzte, veränderte sich deine Körperhaltung nicht. Ich dachte, ich sollte ein Herz an das Fenster malen, nur um uns an etwas zu erinnern, nur um sagen, dass es schon in Ordnung sei, nur um zu erklären, dass es mir trotzdem leid tat, aber die Frau neben mir redete laut und ich hätte mich geschämt. Ich schlief in dieser Nacht zusammengekauert auf zwei Sitzen, ich fühlte mich ruhig und wusste, dass der Zug mich nicht noch weiter von dir wegbringen würde. Ich stieg morgens aus und rief dich an. Ich sagte: Es geht mir gut. Du sagtest: Mir auch. Ich sagte: In einer Woche bist du wieder hier. Du sagtest: Ja, das ist bald. Ich sagte: Danke. Du sagtest nichts.

Ich saß noch ein Jahr lang in einem Zug, du standest noch ein Jahr lang an einem Bahnhof. Dann erst nahm ich deine Hand und du drehtest dich um. Dein Rücken so schön wie noch nie, meine Haltung so aufrecht wie selten zuvor.

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