Do you like the winter?

Zu guter Letzt hast du meine Stirn geküsst. Deine Hand lag in meinem Nacken, deine Füße standen gerade nebeneinander und ich bewegte mich nicht. Ich dachte, vielleicht wirst du ein Geist, wenn ich es mir nur lang genug wünsche. Ich dachte, vielleicht kommst du mit mir, wenn ich nichts mehr sage. Ich dachte, vielleicht ist das alles nicht wahr, außer dieser Kuss, der in diesem Augenblick bereits einen Moment zu lange dauerte. I did not want to leave you, wollte ich dich wissen lassen, aber da warst du bereits weit weg, am anderen Ende des Zimmers, hinter all diesen Menschen mit all diesen Koffern und all diesen Geschichten, die nie die unseren waren. Ich wollte dich fragen: Do you like the winter? Is this your favourite day of the week? Where did you hide your childhood dreams? When will you be mine? Meine Wangen glühten und meine Hände waren zu Fäusten zusammengewachsen, meine Nägel hatten Täler in die Haut gerissen und ich schwieg dir entgegen, ich schwieg genug für drei Leben. Meine Erinnerung setzt erst wieder ein, als vor meinem Fenster eine Wolke wohnte, die so weiß war, wie das Laken in deinem Bett, das in meiner Erinnerung nach Rosmarin roch, ich weiß auch nicht wieso.

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Paper Can’t Win

FOUND Magazine | Paper Can’t Win.

(This reminds me of when I played „scissors, paper, stone“ with my little brother and his friend Daniel. After counting to three Daniel started to make strange noises and made circles with his arms. I asked what this is supposed to mean. He said it’s an armor and that an armor wins against everything. I told him that armors are forbidden in this game. We counted to three again. He started to turn around himself making even stranger noises. ‚I won! I won! I am a hurricane. And a hurricane beats everything as well!‘ I gave up. I never played scissors, paper, stone with him ever again.)

Herbst

Als Bernd weg war, begann Anna zu warten. Sie tat dies morgens, in dem sie im Bett liegen blieb und an die Decke starrte. Sie tat dies am Frühstückstisch indem sie das Wasser auch dann nicht vom Herd nahm, als es schon kochte. Sie tat die tagsüber indem sie eine Bahn nach der anderen an sich vorbeifahren ließ, unfähig sich in Bewegung zu setzen.

Auch Telefone ließ sie läuten, sie, die sie früher immer sofort aufgesprungen und zum Apparat gelaufen war, erklang nur der Ansatz eines Klingelns. Anna saß einfach da nun und wartete, bis das Läuten vorbei war, dann erhob sie sich langsam und wusste nicht wohin mit sich.

Den Briefkasten leerte sie nur noch alle drei Tage. An dem Tag an dem sich der erste Brief von Bernd darin befand, trug Anna ein weißes T-Shirt mit aufgenähten Taschen. Sie steckte den Brief in eine davon, ging bedächtig zurück in die Wohnung, sie setzte sich auf das Bett, bald schon verlagerte sie ihre Position ins Liegen und schlief kurz ein. Als sie aufwachte und den Brief öffnete, verstand sie nichts. Nicht den Brief, seine Worte, nicht Bernd, nicht sich. Sie beschloss das Alles hinzunehmen, sie beschloss an dem Tag nicht mehr vors Haus zu gehen, Bernd nicht zu antworten und einfach für sich zu sein, so wie sie es war, seit Wochen.

Anna hatte nicht sofort nach Bernds Abschied angefangen zu warten. Sie war aufgewacht und Bernd war weg. Das war keine Überraschung und dennoch weinte Anna stumm in ihren Polster, bevor sie eine Unruhe befiel und sie aufsprang, hastig ein Butterbrot hinunterwürgte, sich in die Kleidung vom Vortag zwängte und ein geblümtes Tuch um den Hals band. Sie rannte auf die Straße, sie rannte diese hinunter, rannte um zwei Ecken, über eine Ampel und drehte sich nicht einmal um. Sie wurde wütender mit jedem Schritt, sie wurde entschlossener, sie ballte ihre Hände zu Fäusten und wäre es Bernd eingefallen in diesem Moment umzudrehen, den Flieger nicht zu nehmen und zurückzukehren zu Anna, sie hätte ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen, sie hätte mit hysterischer Stimme Worte gesagt, über deren Existenz sie sich bis dahin nicht sicher war. Bernd hat also ein Gutes daran getan, in diesem Moment längst im Flieger zu sitzen und gerade ein wenig zu schlafen, mit Kopfhörern auf den Ohren und einem älteren Mann neben sich, der ohne Unterlass die Financal Times las.

Annas innere Aufruhr endete abrupt als sie ankam, vor dieser Tür, vor der sie länger nicht mehr gestanden hatte. Sie stand unschlüssig da und war sich nicht mehr sicher, was sie hier eigentlich suchte, was zu sagen sei und ob Veronika nicht die letzte Person auf der Welt wäre, die von all dem erfahren sollte. Aber Veronika, Veronika mit dem schwarzen Haar und den Blicken für Bernd, von denen sich Anna wünschte dass sie die einzige wäre die deren mächtig sei, Veronika war die einzige Person an die Anna denken konnte, von der sich glaubte, sie könne ein wenig verstehen, ein wenig Halt geben, ihr ein wenig von der Trauer und der Wut abnehmen. Als Anna nach endlosen Minuten endlich klopfte und Veronika sofort die Tür öffnete, wusste Anna bereits dass sie sich getäuscht hatte und niemand ihr helfen konnte, am wenigsten diese Frau in dem langen Rock, die sagte: „Anna, ich beobachte dich seit zehn Minuten.“

Danach hat das mit dem Warten angefangen. Anna hat noch Sätze gesagt, in Veronikas Haus, deren Wahrheitsgehalt sie sich gar nicht mehr so sicher war, Anna hat noch hastig ein Glas Wasser getrunken, Anna ging die Treppen vor Veronikas Haus hinunter, drehte sich nicht um und es begann. Es begann einfach so, dieses Warten, das bald in all ihren Knochen wohnen sollte, das sogar im Schlaf nicht aufhörte und sie selten das Haus verlassen ließ. Kamen Freunde vorbei und brachten Essen und sagten (manchmal besorgt, immer öfters ungeduldig), dass Anna sich aufraffen und mit ihnen ins Kino, in den Park, ans Meer kommen sollte, dann schüttelte Anna immer nur den Kopf, manchmal lächelte sie dabei, nie hörte sie ihnen wirklich zu. Sie sagte, sie käme schon zurecht, es wäre das Wetter, vielleicht. Fragten die Freunde ob Bernd sich gemeldet hätte, dann sagte Anna, dass er das ab und an wohl gemacht hätte. Es gehe ihm schon gut. Sie sagte sonst nichts, sie starrte aus dem Fenster, sie starrte und starrte und die Freunde kamen immer seltener.

Der Oktober kam, die Blätter wurden immer bunter, Anna nahm Kastanien mit nach Hause und legte sie aufs Fensterbrett. Manchmal läutete das Telefon und Anna hob immer noch sehr selten ab, machte sie es doch und Bernd war am anderen Ende der Leitung so hörte sie ihm schweigend zu, sagte sie könne das nicht und legte auf. Sie baute danach Pyramiden aus den Kastanien, die dann solange stehen blieben, bis sie diese beim nächsten Telefonat wieder abbaute.

Irgendwann läutete das Telefon wieder einmal und Anna hob schweigend ab, am anderen Ende hörte sie eine leise, eine vertraute Stimme. „Anna,“ sagte diese, „wann kommst du denn mal wieder zu Besuch?“ Und Anna sagte einfach so: „Morgen schon.“ Die Stimme klang erfreut, sie sagte, sie mache Kuchen und Anna antwortete: „Das ist doch nicht nötig.“

Anna hatte ihre Großmutter tatsächlich schon länger nicht mehr besucht, Monate war es her und damals war Bernd noch an ihrer Seite gewesen. Sie hatten einen Zug früh morgens genommen und saßen Hände haltend in einem Großraumabteil, während die Stadt vor dem Fenster langsam weniger wurde und die Felder mehr. Sie durchquerten drei andere kleinere Städte und unzählige Dörfer. Als sie ihr Ziel erreicht hatten, schmerzte Annas Rücken ein wenig und Bernd küsste ihre Wange. Die Großmutter wartete vor dem Bahnhof, sie griff nach Annas Arm während sie im Auto die wenigen Kilometer zu ihrem Haus fuhren, sie sagte wie immer. „So groß seid ihr geworden.“

Später waren sie auf der Terrasse gesessen, Anna hatte eine Decke um ihre Beine gewickelt und nippte an einem Glas mit Holundersaft. Bernd hatte von der Welt erzählt, die es zu entdecken gäbe und als sie gegen Abend wieder Richtung Bahnhof fuhren, überkam Anna eine zufriedene Müdigkeit, die sie die gesamte Zugfahrt an Bernds Oberarm gelehnt schlafen ließ.

Anna hatte damals gedacht: Es würde immer so weiter gehen. Sie hatte nichts in Frage gestellt, sie war glücklich gewesen in jedem Moment. Im Nachhinein erschien ihr das bald alles absurd naiv und sie versuchte, nicht mehr an das Gefühl zu denken, dass sie damals umhüllt hatte und unverletzbar gegenüber allen Bosheiten ihrer Umgebung machte.

Anna legte den Telefonhörer auf das Fensterbrett, sie blickte aus dem Fenster, sie dachte an das weiße Haar der Großmutter, das sich nie bewegt. Sie biss sich auf ihren rechten Zeigefinder, sie ging schließlich bedächtig ins Schlafzimmer, wo auf dem Kasten ein leere Rucksack lag, in den Anna nach und nach einzelne Kleidungsstücke packte, ohne eines wirklich anzusehen.

Anna goss noch einmal die Blumen, sie setzte sich danach vor den dunklen Fernseher und beschloss diese Nacht im Wohnzimmer zu schlafen und den ersten Zug am nächsten Morgen zu nehmen. Sie fragte sich, wie es der Großmutter wohl ginge, ob ihr rechtes Knie immer noch so schmerzte und ob ihre Stimme heiser klang. Sie erinnerte sich an die Sommerurlaube, damals als Kind bei ihren Großeltern, der Großvater war damals schon einem Gespenst ähnlich gewesen, wie er auf seinem Stuhl vor der Balkontür trohnte und bedächtig eine Zigarette nach der anderen rauchte. Dachte Anna an den Großvater der längst begraben war, so fiel ihr meist nur das Wort bleich ein und sie fragte sich, ob die Großmutter und der Großvater früher glücklich waren, in den alten Zeiten, von denen Anna nur Bilder kannte, Bilder von Menschen mit ernsten Gesichtern. Anna erwachte zwei Stunden zu früh und blieb mit offenen Augen im Bett liegen, sie starrte an die Decke, sie starrte aus dem Fenster, sie starrte auf das Foto, das Bernd und sie an einem Strand in Kroatien zeigte, sie beschloss es von der Wand zu nehmen. Als Anna schließlich aufstand, sich kurz die Zähne putzte, um danach eine ihrer alten verwaschenen Jeans anzuziehen und ein kariertes Hemd dazu, da war ihr Entschluss vielleicht bereits gefallen. Sie nahm die Tasche, sie strich über das Kopfende des Bettes, sie drehte den Schlüssel in der Wohnungstür zweimal um.

Im Zug versuchte sie sowenig wie möglich zu denken, die Großmutter umarmte sie lange am Bahnsteig. Anna trank Kaffee auf der Terrasse, ein weiteres Mal mit einer Decke um ihre Beine geschlungen, sie hörte der Großmutter zu, die von ihren Knieleiden erzählte, von der Heimhilfe, die sie wohl bald anstellen müsse und von dem Herbst der schon zu lange dauerte. Anna hörte zu und dachte zwischendurch an das kleine Zimmer unter dem Dach, in dem sie ihr Lager aufgeschlagen hatte. Vor dem Fenster flogen im Frühjahr Amseln vorbei und der Regen war laut in der Nacht. Anna griff nach der Hand ihrer Großmutter, sie lächelte diese an und sagte: „Ich würde gerne bei dir bleiben.“

Das Verlieren

Das Verlieren ist nichts Besonderes. Es passiert jeden Tag und meistens merkst du es gar nicht, du gehst weiter und immer weiter und irgendwann fällt es dir vielleicht doch auf, aber dann ist es schon weit entfernt und es ist ausreichend sich kurz umzudrehen und zu seufzen. Was würden wir auch machen, mit all diesen Momenten und Dingen und Menschen, die schon längst nicht mehr die unseren sind? Wir könnten sie an die Wand pinnen und dem Besuch mit vorgehaltener Hand von dem Damals erzählen, als alles noch anders war. Wir könnten kleine Kärtchen darunter kleben auf denen zum Beispiel „An einem Dienstag teilten wir einen Apfel“ oder „Schuhgröße 42,5, aber nur im Winter“ oder „drei scharfe Kanten“ steht. Wir könnten uns davor auf den Boden legen und tief schlafen, aber wir müssten dennoch ehrlich sein: denn all das hilft nichts, all das ändert nichts daran, dass die Zeit einfach weitermacht, ob wir wollen oder nicht, ob wir gut sind im Gewinnen oder schlecht sind im Verlieren. Das interessiert keinen. Schon eine Wohnung weiter kräht kein Hahn mehr danach.

Und wenn man sich ausmalt, wie es später einmal sein wird, dann ist das dennoch nicht unbedingt wahr, weil man schon am nächsten Tag ein Buch im Bus vergisst (das in der Vorstellung im Regal ganz links stand), weil man schon in der nächsten Woche einen Anruf mißversteht (einer Person die in der Vorstellung mittwochs zum Tee vorbeikommt), weil man schon ein Monat später eine Nummer nachts löscht (die in der Vorstellung immer die gleiche bleibt) und weil man schon sieben Wochen später einen Schlüssel liegen lässt (für eine Tür die in der Vorstellung nie die Farbe ändert) und weil man vielleicht weniger als ein Jahr später die Gefühle vergessen hat, die einen überhaupt ans Fenster setzen ließen, wo man sich auf die Unterlippe biss und dachte, man hätte vieles verstanden.

Aber dann auch wieder stehe ich frühmorgens auf und ich starre auf meine Füße, die längst nicht mehr wachsen und heimlich und still und noch leiser denke ich: Vielleicht ist das kein Verlieren, vielleicht ist das nur der Anfang vom Erinnern. Und dann würde ich gerne jemanden anrufen, aber ich weiß in diesem Moment nicht mehr wie das geht, was auch in Ordnung ist, weil ich dann wieder einschlafe und am nächsten Tag das Wochenende vorbei ist, an dem dich auf alten Fotos gesucht habe und stattdessen ein Mädchen fand, das auf einem Feldweg steht und sich im richtigen Moment umdrehte, ohne es zu bemerken.

(Das reicht, findest du nicht auch? Lass uns ein ander Mal über die Gespenster reden, sie verblassen schon nicht. Nicht mehr.)

Das ist der Herbst

An den Wochenenden wandern wir durch den Wald, klettern auf Warten und bestaunen Wildschweine. An den anderen Wochenenden sitzen wir mit kurzärmeligen Shirts in der Sonne und möchten nicht, dass es jemals anders wird. Wir essen Erdmandeln, die es nur nach den ersten Frost gibt und freuen uns, dass wir jenen anscheinend verschlafen haben.

Später dann Picknick im Augarten, zwischen Blättern, Gänseblümchen und einem Löwenzahn. Da sind Kinder die Drachen steigen lassen und Verliebte die sich auf Parkbänken küssen. Da sind Menschen die einen Ball hin- und herschupfen und da ist ein Hund, der eigentlich aussieht wie eine Katze.

Da sind vor Allem wir, die wir den besten Pflaumenkuchen essen und die schönsten Gespräche führen. Da sind wir und wir sind alle wunderschön an diesem Tag, so wunderschön wie der Herbst, wie der November und all diese Gesten zwischen den Menschen, die von Wahrheiten erzählen, die man nie wieder vergessen möchte.

(Photos © Delal Isci)

Once IV

Once I woke up and had a gigantic postcard in front of the car-window. They tried to make me believe that it was real but i am a clever girl and so I closed my eyes again till they got bored and put it away. The next time I opened them the first thing I saw was a traffic light that turned from green to red in front of a gas station. I knew that everything will be ok.

Es geht voran

Sie gehen vorüber, all die Tage ohne dich. Es ist November geworden, es ist alles gar nicht mehr so schlimm. Ich habe dieses neue Zimmer mit fünf Ecken und Sternparkett. Ich habe diese neuen Menschen, die ich auch deswegen so mag, weil ich sie nie mit dir teilen muss.
Wenn du mir schreibst, geht es ums gewinnen. Wer ist es, der stärker ist? Wessen Leben ist besser ohne den anderen? Ich glaube, dass ich es bin, dass es das meine ist. Ich weiß nur nicht, ob ich möchte, dass du das weißt.

Gestern küsste ich einen Mann aus Belgien, nur um dabei an dich zu denken. Ich versuchte, das zu fühlen, was ich fühlte, als wir uns küssten. Es gelang mir nicht und ich wurde ruhig und müde. Ich dachte: Das ist gut so. Es gibt dieses Gefühl nicht mehr, es ist vorbei.
Das macht wenig Sinn, ich weiß, aber ich habe viel Wein getrunken, ich tanzte mit einem Franzosen der aussah wie ein Pilz aus Super Mario II und knickte beim Nachhausegehen zweimal um. Der Belgier hat mich gehalten, ich sagte: Das ist genug Grund um mich küssen zu dürfen. Der Belgier lachte und seine Zunge lag schwer wie ein Stein in meinem Mund.

Ich habe zwei Wochen lang gedacht, es wäre alles anders geworden, wären wir nur in den Zoo gegangen. Ich dachte ernsthaft, hätten wir an unserem letzten gemeinsamen Tag in Wien doch nur die Ubahn nach Hietzing genommen und Fotos von uns und Pinguinen gemacht, hätte ich dir doch nur erzählt, dass ich diese Giraffen dort so mag und meinen Kopf in deinem Oberarm vergraben im Fledermaushaus, dann wäre all das nicht passiert. Aber stattdessen saßen wir neben dem Klavier, du rauchtest und ich weinte, weil mein Name nicht auf der Liste der Kunstuni stand und du konntest mich nicht trösten und ich weinte noch mehr, ein wenig deswegen. Zwei Wochen später musste ich Fotos sehen von der Frau mit der du statt mir im Zoo warst, im Zoo in der falschen Stadt, im Zoo wo du dich gelangweilt hast und wo dein Telefon oft klingelte. Einmal wegen mir.
Ich glaube nicht mehr daran. Das mit dem Zoo ist egal. Es hätte nichts geändert, es hätte dich nicht geändert und mich noch weniger. Es wären nur mehr Fotos gewesen, die ich nicht mehr sehen möchte und noch ein Ort mehr, der nun emotional neu besetzt werden müsste. Wir sollten froh darüber sein, dass wir schlecht gelaunt zuhause saßen und ich später sagte: Alles geht vorbei.

Wie Recht ich doch hatte und wie wenig ich das damals wusste. Heute schreibst du mir, dass du im Zug an mich denken musstest, wegen einem blöden Spielzeug, das ähnlich heißt wie ich. Und ich frage mich, wie es ist, an mich zu denken, nach all dem, was passiert ist. An dich zu denken ist nämlich so: Es ist unpassend in den meisten Momenten. Es ist seltsam und lässt mich den Kopf schütteln und eine weitere deiner Nachrichten löschen.

Mitte September, als die Liebe noch so groß war, schrieb ich dir über eines der großen Meere, dass ich mich schon wieder in dich verliebt habe und enen Tag später schriebst du mir das gleiche zurück.
Ich würde dir das gerne nochmals schreiben, aber es wäre eine Lüge und davon gab es schon genug. Ich würde dir auch gerne schreiben, dass mein Herz ein Kürbis ist und du eine Kerze reinstellen sollst, aber das macht wenig Sinn. Ich würde dir gerne schreiben, dass alles weitergeht, dass ich weitergehe, nur ohne dich.

Ich schreibe dann doch nicht. Ich trinke Wein, ich tanze, ich lache, ich kokettiere und manchmal küsse ich einen anderen. Und dann ist es doch ein wenig wie dir zu schreiben, ein jeder dieser Küsse eine Nachricht an dich, die du nie bekommst, ein Blick über die Schulter, den du nicht siehst und vor allem ein weiterer Moment, der nicht mehr der unsere ist.

(November 2009.)

[welcher lange her ist. welcher kalt war und in welchem ich zu selten schwimmen war. ein jahr und sovieles ist anders. die nächte sind wärmer, die lieder sind länger und im Haus gegenüber wohnt keine katze mehr, aber das macht nichts. das ist wirklich in ordnung so]